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Wer heute als Tourist nach
Jandía kommt, wird sich nur schwer vorstellen können, dass es gerade mal
vierzig Jahre her ist, als die Halbinsel touristisch entdeckt wurde und
das erste Hotel entstand. Bis dahin war dieser südliche Teil
Fuerteventuras nur sehr dünn besiedelt, hauptsächlich von Fischern und
Ziegenbauern.
Aber fangen wir doch ganz einfach von vorne an:
Vorab eine kurze Begriffsbestimmung Heute verbindet man landläufig mit dem Begriff „Jandía“ die touristisch am
stärksten frequentierte Siedlung im Süden der Insel, doch der Name steht
eigentlich geographisch korrekt für die gesamte südliche Halbinsel
Fuerteventuras, beginnend am Istmo de la Pared, der mit ca. 5 km
schmalsten Stelle der Insel. Im weiteren Verlauf unserer Ausführungen
werden wir deshalb eine für Urlauber leichter verständliche Terminologie
benutzen: Wenn wir von “Jandía” sprechen, meinen wir die gesamte
Halbinsel, wenn wir den Begriff “Jandía Playa” benutzen, meinen wir das
gesamte Urlaubsgebiet auf beiden Seiten der Hauptstraße östlich von Morro
Jable. Es beginnt hinter dem Hügel, der den Ort und die Feriensiedlung
trennt, und endet ca. 3 km weiter am Hotel “Iberostar Palace”.
Eingeschlossen in dieses Gebiet ist auf der Strandseite die “Playa
Matorral” und gegenüber die “Solana Matorral”, also alle Hotels,
Shopping-Centers, gastronomischen und sonstigen Ladenlokale entlang der
Hauptstraße. Und noch etwas: Einen ausländischen “Insel-Insider” erkennt man nicht
zuletzt daran, dass er “Jandía” richtig ausspricht: Das “J” klingt wie
“ch” im Wort “machen”, und die Betonung liegt auf der zweiten Silbe (auf
dem “í”).

Luftaufnahme der Playa de Jandía
Wie entstand Jandía? Vor etwa 12 bis 17 Millionen Jahren brach Lava durch die Erdkruste der
Vulkaninsel und erkaltete. Wieder von Asche bedeckt und erneut von
Lavaströmen überflutet, entstand so mit der Zeit eine über 800 m hohe,
übereinander geschichtete Plattenformation, die heute das Relief Jandías
prägt. Die Halbinsel Jandía wird durch die Meerenge Istmo de La Pared vom
restlichen Inselteil, „Maxorata” genannt, getrennt. Jandía, so wird
vermutet, könnte der Rest eines riesigen Kraters sein, dessen
nordwestlicher Teil im Meer versank. Die höchste Erhebung des
Jandía-Massivs ist der „Pico de la Zarza (heute auch „Pico de Jandía“
genannt), der immerhin stolze 807 m erreicht. Die ursprüngliche Besiedlung Jandías ist bis heute noch nicht völlig
geklärt.
Für Anthropologen und Archäologen gibt es, trotz eingehender Untersuchungen immer noch ungelöste Rätsel.
Es scheint, dass die ersten Siedler von den Römern im 1. Jahrhundert
v.
Chr. strafdeportierte, aufständische Berber aus der Gegend des heutigen
Algeriens waren. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weideten auf der Halbinsel etwa 4.000
Ziegen und eine große Menge Schafe, Kühe, Esel und Dromedare. Ferner gab
es Feigenkaktus-Plantagen, die eine Fläche von 4 km2 einnahmen, einige
Zuckerrohr-Plantagen und weite Landstriche mit einer großen Vielfalt an
Obstbäumen. Siebzehn sehr ergiebige Kalkbrüche wurden betrieben, wobei die
Kalksteinformation von "Matas Blancas" die beste der ganzen Insel war.
Aus diesem Grund entstand hier eine große Kalkbrennerei, deren teilweise
gut erhaltene Öfen noch heute zu sehen sind. Dieser Gewerbezweig, der bis
Mitte des 20. Jahrhunderts gut florierte, wurde dann allerdings vom Zement
verdrängt. Ferner gab es damals Wohnungen für Pächter, Schäfer,
Färberflechten-Anbauer und, hauptsächlich im Tal von Cofete, für Fischer. Es gab zu jener Zeit reichhaltig Wasser von guter Qualität in Jandía.
Aufschluss darüber geben Ortsnamen wie Agua de Toros, Agua de Ceballos,
Siete Fuentes, etc. Dieses bedeutende Gebiet gehörte bis zu den vierziger Jahren des letzten
Jahrhunderts den Landgrafen von Lanzarote. Sie schickten ihre Bewohner zur
besseren Nutzung ihres Lehns-gebietes hierher, und da diese Familien sehr
abgeschieden vom Rest der Insel lebten, heirateten sie meistens
untereinander.
Sie hatten seltsame Bräuche wie das Begraben der Toten am
Strand, ohne jegliche Einfriedung, unter einem Hügel aus Steinen mit einem
Kreuz drauf (heute noch in Cofete zu sehen). Sie hatten eine eigentümliche Angst vor den Bergen und waren überzeugt, dass die Seelen
am Meer ungehinderter ins Paradies finden würden. Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts ging es mit Jandía wirtschaftlich
bergab und das Gebiet entvölkerte sich. Im Jahre 1964 war das Gebiet
praktisch nur noch von Fischern und Ziegenhirten besiedelt und nur auf dem
Seeweg oder von Gran Tarajal aus über endlose, holprige Feldwege zu
erreichen.
Die touristische Entwicklung Im selben Jahr entdeckten zwei junge deutsche Architekten, Manfred
Henneken und Gustav Schütte (der heutige Besitzer der auf dem
“Morro-Hügel” liegenden Appartement-Anlage und des gleichnamigen
Gourmet-Restaurants „Coronado“) von ihrer Segeljacht aus die Traumstrände
der Playa Matorral bei Morro Jable. Sie hatten gerade in Puerto del la
Cruz auf Teneriffa einige Bungalowanlagen gebaut und waren so fasziniert
von den Traumstränden Jandías, dass sie die Idee vom Bau einer kleinen
privaten Urlaubsunterkunft für ähnlich „verrückte“ Strandbegeisterte nicht
mehr los ließ.

Anfang der Siebziger Jahre:
Apartamentos "Don Carlos",
Robinson Club "Jandía Playa" und Apartamentos "Matorral"
Im Hintergrund das Dorf Morro Jable Im Gebiet der damaligen Salinen (ungefähr dort, wo heute das Hotel „Faro“
steht) bauten sie unter abenteuerlichsten Bedingungen ein kleines,
einfaches Haus und tauften es „Casa Atlantica“. Als Partner hatten sie inzwischen einen alten Freund gewonnen, den Chef
der damaligen Fluggesellschaft „Südflug“, Rul Bückle. Durch dessen gute
Beziehungen aus gemeinsamen Teneriffa-Zeiten zu Scharnow und Touropa (aus
denen dann später die TUI hervorging) konnten dann auch die ersten
Charterurlauber gewonnen werden. Die private Unterkunft bauten sie zu
einem kleinen Hotel mit 50 Betten aus, das offiziell 1966 eröffnet wurde.

...als Morro Jable noch ein Fischerdorf war Heutige Pauschalurlauber können sich kein Bild davon machen, was eine
Reise von Deutschland nach Jandía damals bedeutete. Ein kleiner Flughafen
nordwestlich von Puerto del Rosario (dessen Landebahn die Landstraße kreuzte)
war das Ziel der Propeller-maschinen, in welche die Urlauber auf Teneriffa
oder Gran Canaria umsteigen mussten.
Ab Gran Tarajal Richtung Süden gab es
keine asphaltierte Straße mehr, sodass der Transfer, je nach witterungsbedingter Beschaffenheit der Feldwege, zwischen 5 und 7 Stunden
dauerte! Und auch der Aufenthalt im Hotel „Casa Atlantica“ war natürlich
nicht mit heutigen Verhältnissen zu vergleichen. Obwohl sich die
Betreiber alle Mühe gaben und manchmal wahre Wunder vollbrachten, so waren
doch z. b. Wasser- und Stromausfall an der Tagesordnung, die Versorgung
mit den notwendigsten Gütern wie Getränken und Lebensmitteln war extrem
schwierig, obwohl es natürlich frischen Fisch auch damals schon immer in
ausreichender Menge gab. Improvisation war alles und die Anekdoten aus
dieser Zeit würden ganze Bände füllen!

Hier entstand schon so manche deutsch-kanarische
Freundschaft! Und doch war der Begriff „Urlaubsreklamation“ für die damaligen Gäste ein
Fremdwort, denn die unberührten, kilometerlangen Sandstrände, wo man sich
noch per Handschlag begrüßte, wenn man mal jemand traf, entschädigten für
alle erlittene Unbill. Man fühlte sich ein bisschen wie Robinson Crusoe,
und genau dieses Urlaubsgefühl, den Widrigkeiten zu trotzen und
gemeinsam aus allem das beste zu machen, führte zur Umbenennung des kurze
Zeit später errichteten Hotels „Jandía Playa“ in den „Robinson Club Jandía
Playa“. Damit war der erste Robinson-Club weltweit geboren, dessen
Philosophie von Gemeinschaftsgefühl im Urlaub sich bis heute noch in
allen später entstandenen Clubs widerspiegelt. Gut zehn Jahre später gab es dann in Jandía Playa immerhin schon vier
weitere Herbergen für die neu geborene Spezies der "Fuerte-Fans": das
Hotel "Stella Canaris" sowie die Anlagen “Apartamentos Paradiso“,
“Apartamentos Matorral“ und “Apartamentos Don Carlos”.
Der regelrechte Bauboom setzte aber erst ein, nachdem Anfang der achtziger
Jahre die Verbindungsstraße von Gran Tarajal bis Morro Jable komplett
asphaltiert war. Heute gehört der Süden von Jandía mit Morro Jable und
Jandía Playa zu den bedeutendsten touristischen Zentren Europas. Auch wenn
viele „Urlaubspioniere“ der ersten Jahre heute wehmütig auf die „alten
Zeiten“ zurückblicken, so ist die für Feriengäste größte Attraktion, die
bei Morro Jable beginnenden, 26 km langen Traumstrände der „Sotavento“-Küste,
doch im wesentlichen erhalten geblieben.

Bis März 2003 waren ihre Reste noch zu sehen:
die gestrandete “Rose of Sharon”
Was erwartet den heutigen Urlauber in Jandía Playa? Wer in seinem Strandurlaub Erholung und sportliche Aktivität kombinieren
möchte, wird nicht enttäuscht werden. Der größte Trumpf dieses
Feriengebiets sind nach wie vor die goldgelben bis weißen, feinsandigen
Strände, an denen wanderlustige Urlauber kilometerlange Spaziergänge
unternehmen können. Überall am Strand findet man die so genannten „Chiringuitos“,
meist kleine Holzhütten, in denen man den „kleinen Hunger zwischendurch“
mit „Tapas“ (kleinen Tellergerichten) und den Durst mit einer kühlen „Cerveza“
(Bier) stillen kann. Keinesfalls sollte man sich die hier vorherrschende
Stimmung von lockerer Ent-spannung und noch erhaltener „Urwüchsigkeit“
entgehen lassen. Die Speisekarten auf
hingehängten oder aufgestellten
Schiefertafeln bieten (nicht nur) Tapas in allen Variationen:
Knoblauchbrot, Gambas in heißem Knoblauchöl, spanische Tortilla,
marinierten Tintenfisch oder die allseits beliebten „pimientos padrones“
(kleine, grüne Paprikaschoten, die erst gebraten und dann, mit grobem Salz
bestreut, serviert werden). Wer hier am Strand länger wandern möchte, sollte sich gut eincremen und
unbedingt ein
T-Shirt oder zumindest ein Tuch für die Schultern sowie eine
Kopfbedeckung mitnehmen. Durch die ständig mehr oder weniger wehende Brise
unterschätzt man leicht die Kraft der Sonne! Ärztezentren gegenüber der
Playa wie „Euromed Jandía“ haben zwar langjährige Praxis in der Behandlung
von Sonnenbrand und Sonnenstich, aber so weit sollte man es doch besser
nicht kommen lassen.

Strand vor dem Leuchtturm |

Strandpromenade über den
“Morro-Hügel” |

Strandabschnitt vor den Hotels “Coronado” und
“RIU Palace Jandía” |

Der gleiche Strandabschnitt,
vom Leuchtturm aus fotografiert |

Playa Matorral vor dem Robinson-Club |

Blick über das Hotel “Stella Canaris” und die
naturgeschützten “Salzwiesen” auf den Strand |
Wassersport
Wer nicht nur zu den Sonnenanbetern gehört, sondern auch sportlich aktiv
werden möchte, dem bieten sich auch dafür die besten Voraussetzungen. In
Höhe des Robinson-Clubs und vor dem Club Aldiana gibt es Verleihstationen
für Surfbretter (auch Schulung), kleine Segel-Katamarane und Jet-Skis.
Die zweisitzigen Jet-Skis sind schwimmende Motorräder, werden wie ein
Motorrad gefahren und machen auch den gleichen Lärm. Aus diesem Grund
gibt es für dieses Vergnügen auch zeitliche Einschränkungen, die beim
Verleiher (zwischen Robinson-Club und Leuchtturm) zu erfragen sind. Der
schnelle Ritt übers Wasser ist allerdings mit 30 bis 40 Euro für 20
Minuten kein billiger Spaß. Wie wär's mit Angeln? Die Ausrüstung gibt's in Morro Jable und der
fischreiche Kanarenstrom garantiert schon fast den Erfolg.
Auch organisierte Angeltouren sowie echtes Hochseefischen werden
angeboten. Fragen sie am besten Ihre Reiseleitung oder informieren Sie
sich in unserem
Anzeigenteil.

Sportfischen auf dem “Albakora Cat” Aber warum die Welt nur von oben genießen? Auch unter der Wasseroberfläche
hat Jandía Playa einiges zu bieten! Es gibt zwei Tauchschulen, und auch
jedes große Hotel bietet Tauchkurse an. Um Tauchen zu lernen, braucht man
allerdings einen ärztlichen Tauchbefähigungsschein. Kein Problem, auch
darauf ist „Euromed Jandía“ spezialisiert.
Keine Lust auf Wassersport?
Gerade für Familien mit Kindern ist Reiten eine beliebte Alternative. Eine
Reitschule gibt es in der Anlage oberhalb des Hotels “Stella Canaris”.
Dort werden nicht nur Reitstunden gegeben, sondern auch Ausritte
organisiert, wobei auf individuelle Vorkenntnisse Rücksicht genommen wird.
Ebenfalls zum Stella Canaris gehört das „Jandía Tennis Center“, steht
aber, wie in den meisten großen Hotels, auch Nicht-Hotel-Gästen offen. Neben geführten Wanderungen durchs Inland (Buchung über die Reiseleitung)
bieten sich auch Fahrrad- und Motorradtouren an. Verleiher gibt's entlang
der Shopping-Meile „Solana Matorral“, die das Ortsbild von “Jandía Playa”
prägt.
Die Gastronomie- und Einkaufsmeile “Solana Matorral“ Es gibt hier, unterbrochen von verschiedenen Einkaufszentren, eigentlich
alles, was man sich für einen gemütlichen Urlaubs-Bummel vorstellt. Bars,
Cafés, Restaurants, Diskotheken, Boutiquen, Bazars, Supermärkte,
Autovermieter, Banken, Reisebüros, und, und, und...

Die "Solana
Matorral" Da Jandía bis heute von deutschsprachigem Tourismus geprägt ist, kann man
sich dort auch fast überall in seiner Muttersprache verständigen. Am
südlichen Beginn der “Solana Matorral“, neben dem größten Shopping Center „Cosmo“
und unterhalb des großen
Aloe-Vera-Info-Centers (echte Aloe Vera von
Fuerteventura!) gibt's jeden Donnerstag einen großen Wochenmarkt. Hier
finden Sie neben allerlei Trödel hauptsächlich Souvenirs von der Insel
oder vom nahe gelegenen afrikanischen Festland. Nicht alles ist hier Kunst
oder Kunsthandwerk, was es vorgibt zu sein. Auf jeden Fall sollte man
hier, genau wie in den Bazars der Shopping-Meile, handeln „auf Teufel komm
raus“! Als eine der wenigen Ausnahmen wäre der Stand der Deutschen Marion
Lüke („1st one“) zu nennen. Wer Interesse an schönen Edelsteinen und
Kristallen hat, sollte den Besuch nicht auslassen und kann sicher sein,
seriös bedient zu werden. Das benachbarte größte Shopping Center „Cosmo“ ist zwar äußerlich ein
recht grober Klotz, bietet aber auf vier Etagen eine Menge für (fast)
jeden Geschmack und Geldbeutel: gemütliche Terrassencafés und Bierbars,
Restaurants von „Fast food“ bis „Haute cuisine“, Boutiquen, Parfümerien,
Bazars, Spielhallen, Supermärkte, einen Tabakladen, eine Apotheke,
Reisebüros, Musikkneipen und bei „Trike-Mike“ im Untergeschoss das beste
Internet-Café Jandías (mit Freiluft-Konsolen im schönen Innenhof!).

Shoppingmeile,
in Höhe des Hotels "Faro"
Vielleicht will man hier auch einfach nur mal eine Rast einlegen und sich
auf einer der vielen Bänke ausruhen oder bei Ramona und Frank im neuen
Restaurant „Luz del Mar“ ein kleines Schwätzchen halten. Hier kocht
übrigens der Chef selbst und geht auf eigene Essens-wünsche gern ein. Tipp:
Original Spare Ribs!
Nachtleben Wem das abendliche Animationsprogramm seines Hotels nicht ausreicht, kommt
vielleicht in Jandía Playa eher auf seine Kosten. Die oberen Etagen des
Shopping Centers “Cosmo” mit ihren zahlreichen Musik-Bars sind für die
meisten Urlauber die erste Anlaufstelle. Wer nach Zapfenstreich (zwischen
1-3 Uhr) noch Action will, geht dann in die Disko auf der Hauptstraße.
Auch die Diskothek am Hotel Stella Canaris ist (besonders bei nicht mehr
ganz so jungen Nachtschwärmern) sehr beliebt.
In Morro Jable wurden um diese Zeit schon die Bürgersteige hochgeklappt.
Morro Jable Vom Shopping Center “Cosmo” zum ehemaligen Fischerdorf Morro Jable, mit
heute immerhin fast 3.000 Einwohnern zu einer kleinen Stadt gewachsen, ist
es ein Katzensprung. Entweder man benutzt den Bürgersteig entlang der
Hauptstraße, die sich kurvenreich über den Hügel schlängelt, welcher den
Ort von Jandía Playa trennt, oder man überquert die Straße und folgt dem
neuen, asphaltierten Strandweg, der vom anderen Ende der Playa bei den
Iberostar-Hotels „Las Gaviotas“ und „Palace“ bis zur Strandpromenade von
„Morro“, wie Insider die kleine Stadt kurz nennen, führt.

Südliches Ende der "Solana Matorral" |

Strandpromenade nach Morro Jable |
Obwohl Morro Jable nicht gerade durch städtebauliche Schönheit
beeindruckt, steigt es bei den Urlaubern doch stetig in der Beliebtheit.
Wer einheimisches Flair sucht, wird es hier noch finden. In den vielen
Bars trinken die „Majoreros“ (so werden die einheimischen Inselbewohner genannt) ihr Bier und nehmen in einem der zahlreichen Restaurants ihre
Tapas zu sich. Richtig auswärts essen gehen sie nämlich eigentlich nur am
Sonntag im Kreis der gesamten Familie. Das Leben wird noch nicht völlig vom Tourismus bestimmt, obwohl die
meisten natürlich direkt oder indirekt davon ihren Lebensunterhalt
bestreiten. Scheint die Zeit während der ausgedehnten „Siesta“ zwischen 13
und 16 Uhr still zu stehen, so erwacht die Stadt in den frühen
Abendstunden zu quirligem Leben. Da wird es eng in den Einbahnstraßen, und
Parkplätze sind so gut wie gar nicht mehr zu finden. Daher sollte man
Morro zu Fuß erkunden.
Klassische Sehenswürdigkeiten wie Kirchen oder Museen sucht man vergebens,
dafür bietet der Ort aber viel Atmosphäre, z. B. dann, wenn sich die
Senioren abends am ehemaligen kleinen Dorfplatz, der Plazoleta Cirilo
Lopez (Nähe Strandpromenade und Taxi-Halteplatz) unter den großen,
Schatten spendenden Bäumen zum ausgiebigen Plausch oder zum Domino-Spiel
treffen, oder wenn Einheimische und Urlauber gemütlich durch den alten
Ortskern mit seinen beiden Einkaufsstraßen flanieren.

Blick
von Süd-Ost
|

Blick
von Nord-West |
Die wie Perlen
aneinander gereihten Geschäfte bieten alles, was man für's tägliche Leben
braucht und schließen selten vor 21 Uhr. Auch an dieser Stelle ein
besonderer Tipp: am Ende der zweiten Einkaufstraße, kurz vor der o.g.
Plazoleta, hat Inge Hensel gerade ein Paradies für Bademoden und exklusive
Dessous eröffnet. Auch die etwas stärker gebaute Urlauberin findet in
“Inge’s Dessous” garantiert ihr Traummodell. Das enge und noch spanisch dominierte Morro Jable stellt einen reizvollen
Kontrast dar zum modernen, großzügig dimensionierten Jandía Playa. Wer
hier sein Urlaubsdomizil wählt, findet neben einfachen, preiswerten
“Hostals” (einfache Gasthäuser) vor allem private Ferienwohnungen aller
Kategorien.
Die Strandpromenade Treffpunkt der Einheimischen und Touristen ist in erster Linie die schön
angelegte Strandpromenade direkt am Meer. Hier, am ehemaligen
Fischerhafen, kann man in einem der Terrassen-Restaurants speisen oder
einfach nur einen Drink zu sich nehmen.
Am Anfang der Promenade findet man
übrigens die ältesten Restaurants des Ortes, das legendäre „Charly“ und
das beliebteste Fischrestaurant „Las Lajas“. Empfehlenswert auch die
Gastwirtschaft „Capitán Morro“, heute bewirtschaftet vom deutschen
Ehepaar Schubert. Jens Schubert musste sein Restaurant nach einem Brand im
letzten Jahr komplett neu aufbauen. Trotzdem haben er und seine Frau ihren
Humor nicht verloren, und jeder Gast wird hier wie ein Freund behandelt.
Unser Tipp: Kartoffelpuffer mit einer Farce aus frischem Lachs und
Kräutern.
Der neue Hafen Hinter dem Restaurant „Las Lajas“ geht übrigens eine Treppe hoch, die zum
neuen Hafen und zum Gewerbegebiet von Morro führt. An der großen Mole
legen die Autofähre und das Schnellboot „Jetfoil“ an, die Morro Jable mit
den Nachbarinseln Gran Canaria und Teneriffa verbinden. Neben dem
Katamaran “Albacora Cat” (große Aufschrift “Sportfischen” an den Seiten),
der vielleicht gerade auf seine Gäste zum Angeln, Sportangeln oder
Hochseefischen wartet, dümpeln an den zahlreichen Stegen etliche
Privatjachten und die Fischerboote. In den frühen Nachmittagsstunden (ca.
14 Uhr) werden die Fische angelandet und in die benachbarten Kühlhallen
transportiert, wo sie sofort ausgenommen werden. Die dabei zu beobachtende
hektische Betriebsamkeit steht in krassem Gegensatz zur sonst üblichen
kanarischen Gelassenheit, ist aber angebracht, um den Fisch so frisch wie
möglich weiter verarbeiten zu können.

Der "neue"
Hafen
Gegenüber der großen Mole liegt das relativ neue Gewerbegebiet („Zona
industriál“) der Gemeinde. Unter den Firmen, die sich dort bereits
angesiedelt haben, wäre besonders die Großbäckerei „Rodriguez“ zu
erwähnen, die Kuchen, Torten und auch Schwarzbrot nach original deutschem
Rezept herstellt und nicht nur an Großabnehmer sondern auch an
Privat-personen „direkt ab Fabrik“ verkauft.
Interessant auch ein Besuch
bei der Großgärtnerei „Jardican“, die für ihr vielfältiges Angebot an
Produkten zur Gestaltung und Pflege von Gärten, Terrassen und Balkons
bekannt ist. Viele der wunderschönen Park- und Gartenanlagen in den
größeren Hotels wurden von dieser Firma gestaltet. Auch zwei gute Tapa-Bars gibt’s am neuen Hafen. Besonders, wenn die großen
Fähren an der Mole liegen, kann man dort echtes, stimmungsvolles
Einheimischen-Flair genießen.
Die Gemeinde tut was... Abschließend zum Thema Morro Jable und Jandía Playa sollte nicht unerwähnt
bleiben, dass sich die Gemeinde in den letzten Jahren mehr und mehr
bemüht, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Urlauber einzugehen.
In Morro Jable gibt es jetzt beispielsweise endlich auch “richtige”
Markthallen (”mercado municipal”), die natürlich nicht nur für Touristen
gebaut wurden, die aber dennoch dem Bedürfnis der Urlauber nach
authentischem Erleben des einheimischen Alltagslebens bestens entsprechen.
Hier landet nicht nur jeden Tag der frisch gefangene Fisch, sondern auch
viele andere einheimische Produkte wie Obst, Gemüse, Fleisch, Gewürze und
vieles mehr werden feilgeboten. Vor allem hat sich der Markt aber
inzwischen zu einem interessanten Treffpunkt (ein Terrassen-Café gibt’s
dort auch) für Einheimische, Residenten und Feriengäste entwickelt. Die Einkaufsmeile „Solana Matorral“ wurde gerade mit großem Aufwand
optisch verschönert, der Mittelstreifen der Hauptstraße wurde üppig
begrünt und mit Palmen bepflanzt, der Durch-gangsverkehr an den
Zebrastreifen durch Schwellen zum langsam Fahren gezwungen, Müllcontainer
wurden unter die Erde verbannt, der schon erwähnte asphaltierte Weg am
gesamten Strand entlang wurde angelegt, eine spezielle Strandpolizei ins
Leben gerufen, Toilettenhäuschen mit Wickeltischen wurden am Strand
aufgestellt, ein langer Holzsteg von der Straße bis zum Leuchtturm wurde
gerade fertig gestellt, um auch bei Flut trockenen Fußes durch die
Salzwiesen an den Strand kommen zu können, Strandwacht, Rettungsdienst und
Erste-Hilfe-Station funktionieren inzwischen professionell, und, nicht
zuletzt, bietet die Gemeinde mit ihrem Internetauftritt
www.playasdejandia.com die inzwischen interessanteste offizielle Website
(teilweise auch in deutsch) aller Gemeinden Fuerteventuras.
Per Jeep in den Westen Wer im Süden Jandías Urlaub macht, sollte wenigstens einmal die “Punta de
Jandía”, den westlichen Zipfel der Halbinsel mit dem kleinen Fischerdorf
Puerto de la Cruz, sowie die nord-westlich gelegenen, fast menschenleeren
Strände “Playa de Cofete” und “Playa Barlovento” besucht haben. Auf jeden Fall sollte man sich dafür ein geländegängiges Fahrzeug mieten!
Ein Großteil dieser Streckenabschnitte lässt sich zwar notfalls auch mit
einem Pkw bewältigen, aber achten sie auf das Kleingedruckte in Ihrem
Mietvertrag: Sobald Sie mit Ihrem Pkw die asphaltierten Straßen verlassen,
erlischt der Versicherungsschutz und Sie haften außerdem bei evtl. Pannen
für die Abschleppkosten! Die Asphaltstraße müssen Sie nämlich verlassen, wenn
Sie in dieses
wildromantische Gebiet “eintauchen” wollen. Dazu nehmen Sie die zum Hafen
führende Umgehungsstraße von Morro und biegen kurz vor Erreichen des
Hafens rechts in die Schotterpiste ein.

Abzweig
auf die Piste (oberhalb des Hafens) gen Westen
|

Weggabelung nach Cofete und Puerto de la Cruz
|
Kurvenreich führt der meist schmale Weg (am besten vor jeder Kurve hupen!)
nun durch die wüstenähnliche, hügelige Landschaft, vorbei an einer alten,
aufgegebenen Tomatenplantage und dem Friedhof, bis Sie die Weggabelung
erreichen, die rechts nach Cofete abzweigt und weiter geradeaus nach
Puerto de la Cruz, dem westlichsten Punkt der Insel, führt. Fahren sie am besten erst mal dort hin. Genießen Sie die Urgewalten an der
von Gischt umtosten “Punta de Jandía” mit dem stolz allen Winden und Wettern
trotzenden Leuchtturm. Im kleinen Dorf können Sie in einer der drei urigen
Kneipen Rast machen und den Staub aus der Kleidung schütteln. Die Wildheit der Westküste erleben
Sie auch eindrucksvoll, wenn Sie vom
Dorf aus auf der schmalen, asphaltierten Straße noch einen kleinen
Abstecher Richtung “Punta Pesebre” machen.

Leuchtturm an der Punta de Jandía |

Strand an der Punta Pesebre |
Jetzt geht es erst mal wieder zurück bis zur schon bekannten Weggabelung,
um diesmal nach links abzubiegen. Spätestens kurz vor Erreichen der
Passhöhe werden Sie feststellen, dass es besser war, einen Geländewagen zu
mieten. Oben am “Roque del Morro” angekommen, gönnen Sie sich eine kleine Pause,
um den phantastischen Ausblick auf die noch fast unberührten,
kilometerlangen Sandstrände auf sich wirken zu lassen! Direkt unter Ihnen
liegt die Playa de Cofete, begrenzt durch “El Islote”, das Inselchen.
Daran schließt sich die große Playa de Barlovento an. Bei klarem Wetter
lässt sich die gesamte Westküste bis zur Höhe von Pájara erkennen.

Die Playa
Cofete
An den
Berghängen, die im 807 m hohen “Pico de Jandía” gipfeln, sieht man eine
Gruppe kleinerer Gebäude, welche den Weiler Cofete bilden. Dort gibt es
auch ein kleines, schlichtes Restaurant, das hier quasi als Rasthaus
fungiert. Weiter östlich springt das imposante Gebäude der
legendenumwobenen “Villa Winter” ins Auge. Auf die unzähligen Gerüchte
und Spekulationen, die im Zusammenhang mit diesem, hier vollkommen
deplatziert wirkenden Chalet kursieren, wollen wir an dieser Stelle nicht
näher eingehen (”Die Wahrheit über die Villa Winter” wird das Titelthema
einer unserer nächsten Ausgaben sein!).

Die "Villa
Winter"
Auf der Weiterfahrt hinunter nach Cofete fallen eigenartige,
kandelaberförmige, kakteenähnliche Pflanzen auf. Es sind seltene, unter
strengem Naturschutz stehende Euphorbiengewächse mit dem Namen “Cardón de
Jandía”. Lassen Sie, nachdem Sie sich vielleicht in der “Bar Cofete” ein wenig
gestärkt haben, Ihren Wagen am besten dort geparkt und erkunden Sie die
Sie interessierende Umgebung zu Fuß weiter.
Das gesamte Gebiet abseits der Feldwege ist nämlich inzwischen zum
Naturpark deklariert, und wenn man Sie dort mit einem Motorfahrzeug
erwischt, müssten Sie mit empfindlichen Geldbußen rechnen. An reiner Fahrtzeit für den hier beschriebenen Ausflug sollten Sie etwa 3
Stunden kalkulieren. Wenn Sie alles ausgiebig und in Ruhe genießen wollen,
dann sollten Sie einen Ganztagesausflug einplanen. Lohnen tut er sich auf
jeden Fall! |